Die großen
Tondichtungen & Solokonzerte
Richard Strauss
Klang als innere Bewegung
„Ich weiß sehr wohl, dass die Welt mich für kalt hält. Aber glauben Sie mir: Ich habe mein Herz nur so lange wie möglich unhörbar gemacht, damit es nicht zu früh verbraucht werde. Alles, was ich fühle, spreche ich nur in Musik aus. Dort finden Sie mich. Dort bin ich wahr.“
— Richard Strauss, in einem Brief an Romain Rolland (1906)
Richard Strauss gilt als einer der bedeutendsten Symphoniker der Spätromantik, der vor allem das Genre der Tondichtung mit neuartiger Harmonik und meisterhafter Orchestrierung zur Perfektion geführt hat. Der Name der Gattung stammt von Franz Liszt, Strauss selbst bevorzugte den Begriff „Tondichtung“ für seine programmatischen Kompositionen.
Es gelang Strauss in seiner Programmmusik auf überzeugende Weise, das Klangspektrum eines sinfonischen Orchesters mit einer erzählerischen Struktur zu verbinden. Er ließ sich für seine in einer Zeitspanne von knapp 30 Jahren entstandenen großen Tondichtungen von Mythen und Legenden inspirieren und legte ihnen literarische Werke Shakespeares, Cervantes und Nietzsches zugrunde. Entsprechend ihrer verschiedenen außermusikalischen Einflüsse stattete Strauss seine Werke mit eigenen Klangcharakteren aus, die sie zu unabhängigen musikalischen Erzählungen werden ließen.
„Für mich ist das poetische Programm nichts weiter als der Form-bildende Anlass zum Ausdruck und zur rein musikalischen Entwicklung meiner Empfindungen – nicht, wie Sie glauben, nur eine musikalische Beschreibung gewisser Vorgänge des Lebens.“
Breitkopf & Härtel erweiterte kürzlich seine Orchesterbibliothek um sieben der insgesamt neun Tondichtungen Richard Strauss’, angefangen bei den sehr unterschiedlichen Jugendwerken Don Juan und Tod und Verklärung über das vor allem wegen seiner Eröffnungsfanfare berühmt gewordene Also sprach Zarathustra bis zur monumentalen Alpensinfonie, mit der Strauss 1915 den Zyklus seiner Tondichtungen abschloss.
Das Oboenkonzert sowie die zwei Hornkonzerte ergänzen die hier von Breitkopf & Härtel präsentierte Auswahl der großen Tondichtungen in hochwertigen Urtext-Ausgaben.
Als unbestrittener Meister des Klanges bewies Strauss in seinen Kompositionen ein tiefes Verständnis für den Charakter einzelner Instrumente – er wusste, wie man orchestrale Farben sprechen lässt. Besonders seine zwei Konzerte für Horn und Orchester, die er jeweils zu Beginn und am Ende seines kompositorischen Wirkens schrieb, gehören zu den meistgespielten Solokonzerten für dieses Instrument.
Ein weiteres beliebtes Solokonzert schrieb Strauss für Oboe: Eine ungeplante „Handgelenksübung“, entstanden aus einer Begegnung mit einem amerikanischen Soldaten und Oboisten nach dem Zweiten Weltkrieg. Fließende Melodien voller Heiterkeit und Anklänge an das Lebenswerk des Komponisten prägen diese musikalische Retrospektive in drei Sätzen.